{"id":1284,"date":"2013-06-21T07:12:26","date_gmt":"2013-06-21T06:12:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.icb.at\/?p=1284"},"modified":"2013-06-21T08:01:29","modified_gmt":"2013-06-21T07:01:29","slug":"tag-20-idaho","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.icb.at\/?p=1284","title":{"rendered":"Tag 20: Idaho"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }A:link {  }\n--><\/style>\n<p>Guten Morgen, Sonnenschein. Der Sonnenschein kann aber nicht \u00fcber die Temperaturen hinwegt\u00e4uschen, die hier in Yellowstone im Juni nachts herrschen. Nachdem wir vorgestern die Gasvorr\u00e4te aufge\u00fcllt haben, haben zwei N\u00e4chte die Gasbest\u00e4nde um ein Drittel reduziert. Der Fr\u00fchst\u00fcckstisch ist sch\u00f6n vorgew\u00e4rmt, denn der Heizungsauslass ist unter dem Tisch.<\/p>\n<p>Wir entscheiden uns, das ganze Wohnmobil einmal durchl\u00fcften zu lassen. Denn wenn jemand vom Campingplatz-Klo zur\u00fcckkommt und meint, im Wohnmobil stinkt es, dann ist das auf jeden Fall eine gute Idee.<\/p>\n<p>Nach den verschiedenen Experimenten mit Jalapeno-Spam etc. gehen wir diesmal wieder zum guten, 76 Jahre alten, konservativen Spam \u00fcber. Ziemlich p\u00fcnktlich um 1100 verlassen wir dann den Campingplatz. Es ist wieder haupts\u00e4chlich ein Fahrtag. Wir fahren bis zum Craters of the moon KOA. Dort werden wir sicher wieder Internet haben.<\/p>\n<p>Zuerst m\u00fcssen wir aber wieder quer durch den Yellowstone Nationalpark inklusive aller Staus, wenn irgend eine Art von Tier zu sehen ist. Nach dem Nationalpark kommen wir wieder nach Montana. In der ersten Stadt versuchen wir unser Gl\u00fcck mit Wardriving. Man muss ja nicht unbedingt auf den n\u00e4chsten Campingplatz warten, um Internet zu haben. Leider versagen wir aber kl\u00e4glich und kommen in kein einziges WLAN hinein. Ein schwerer R\u00fcckschlag auf dem Weg zur Weltherrschaft.<\/p>\n<p>Bei dem ganzen Suchen nach WLANs fahren wir dann sogar auf dem falschen Weg raus aus der Stadt. Auf der Landstra\u00dfe drau\u00dfen suchen wir uns dann den denkbar ung\u00fcnstigsten Platz zum Umdrehen aus. Schlagl\u00f6cher in Badewannengr\u00f6\u00dfe machen es zu einem Abenteuer. So k\u00f6nnen wir zwar noch einmal durch die Stadt fahren, haben aber wieder keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Danach geht es weiter unserem Ziel entgegen. Links und rechts der Stra\u00dfe stehen 2 Meter hohe Markierungen der Fahrbahnbegrenzung. Es k\u00f6nnte sein, dass der Schnee hier im Winter etwas h\u00f6her liegt also sonstwo. Nach kurzer Fahrt kommen wir nach Idaho. Dass man in Idaho ist, merkt man in erster Linie daran, dass die Stra\u00dfen augenblicklich schlechter werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_1286\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7170.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1286\" class=\"size-medium wp-image-1286\" alt=\"Seltsame Fahrzeuge bev\u00f6lkern die (schlechten) Stra\u00dfen von Idaho\" src=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7170-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7170-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7170-449x300.jpg 449w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7170.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1286\" class=\"wp-caption-text\">Seltsame Fahrzeuge bev\u00f6lkern die (meist schlechten) Stra\u00dfen von Idaho<\/p><\/div>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist es in den USA \u00fcblich, kaputte Stra\u00dfen nicht zu reparieren, sondern Warnschilder aufzustellen. Das wird in Idaho perfektioniert. Wenn irgendwo der Stra\u00dfenbelag zerbr\u00f6selt ist, wird ein Warnschild hingestellt, die Geschwindigkeit auf 20 mph beschr\u00e4nkt und die Sache ist erledigt. Das ist effizient und spart einen Haufen Geld.<\/p>\n<p>Langsam wird es wieder Zeit zu Tanken. Die Anzeige ist wieder bei einem Viertel angelangt. Die ersten Tankstellen bieten den Benzin um 3,79 $ pro Gallone an. Weil das noch nah am Nationalpark ist, denken wir uns, dass es schon noch billiger werden wird. Wir fahren also etwas weiter. Die n\u00e4ch Tankstelle verkauft das Zeug um 3,85 $, was keine Verbesserung darstellt. Also wieder weiter.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten sind wir schon bei 3,99 $ und wir werden das Gef\u00fchl nicht los, dass wir immer weiter in Richtung teures Benzin fahren. Wenn das so weiter geht, kostet das Zeug noch so viel wie in \u00d6sterreich. Das w\u00fcrde unserer Reisekasse den Gnadensto\u00df versetzen. Wieder eine Weile sp\u00e4ter kostet es wieder 3,85 $, was immerhin billiger ist als bei der vorigen.<\/p>\n<p>Da es kaum noch billiger werden wird in diesem Staat, entschlie\u00dfen wir uns hier zu tanken. Als wir stehen bleiben, sehen wir, dass die Tankstelle \u201eLast Chance General Store\u201c hei\u00dft. Da beschleicht uns irgendwie ein komisches Gef\u00fchl. Dieses best\u00e4tigt sich, als nach dem Tankbeginn der Preis an der Zapfs\u00e4ule mit 3,909 $ angegeben wird. Darunter steht angeschrieben: 5 Cent Rabatt bei Barzahlung.<\/p>\n<p>Da haben sie uns wieder mal eine Falle gestellt. \u00dcberall wird man hier abgezockt. Und Windschutzscheibenwaschwasser ist auch keines vorhanden. Ein dickes Minus f\u00fcr die Shell-Tankstelle. Die haben ihre letzte Chance bei uns verspielt. Aber immerhin haben wir jetzt wieder einen \u00be vollen Tank. Da man nur f\u00fcr 99 $ mit der Kreditkarte tanken kann, ist sich kein voller Tank ausgegangen.<\/p>\n<p>Nach ein paar weiteren Meilen gibt es einen Fahrerwechsel. Die n\u00e4chste Stunde fahren wir hinter einem Nissan her, der seinen Tempomaten auf 62 mph eingestellt hat. Wir tun also das selbe und fahren in gleichbleibendem Abstand hinter ihm her. Als uns das zu bl\u00f6d wird, bleiben wir bei einem historic point stehen und machen einen Fahrerr\u00fcckwechsel.<\/p>\n<p>Alle Tankstellen, an denen wir von nun an vorbei kommen, verkaufen den Benzin um 3,79 $ pro Gallone. Bei der Fahrt sind wir bei vielen abgesperrten Arealen vorbeigekommen, die INL geh\u00f6ren. Wir wissen nicht, was das ist. Wir wundern uns nur, dass alles abgesperrt ist und au\u00dfer uns hier kaum jemand f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Kurz vor unserem Ziel sehen wir eine gro\u00dfe Werbetafel, wo f\u00fcr das Pickles Place mit den \u201eFamous Atomic Burgers\u201c geworben wird. Jetzt ist es nicht so, dass wir uns von Werbung beeinflussen lie\u00dfen, aber da m\u00fcssen wir unbedingt hin. Vorher checken wir aber noch beim KOA ein. Es ist ein kleiner Campingplatz, wir bekommen gleich einen Platz hinter dem Hauptgeb\u00e4ude, in dem Klo und WLAN-Antenne sind. Besser geht es nicht.<\/p>\n<p>Au\u00dfer uns sind noch zwei Wohnw\u00e4gen und ein gro\u00dfes Zeltlager da. Es sieht aus wie ein \u201eOccupy\u201c-Lager. Die Klos sind ger\u00e4umig und mit Musikbegleitung. Mit Musik sitzt man gleich viel besser bei wichtigen Gesch\u00e4ften. Als erstes z\u00fccken alle gleich ihre Laptops und Tablets um nach drei Tagen wieder ins Internet zu kommen.<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen haben wir gro\u00dfen Respekt vor der Generation bekommen, die ein Leben lang ohne Internet auskommen musste. Lebensbedingungen, die man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann&#8230; Irgendwann nimmt dann aber doch der Hunger \u00fcberhand und wir erinnern uns an das Pickles Place.<\/p>\n<p>Da es im Navi nicht vorkommt, m\u00fcssen wir es h\u00e4ndisch suchen. Mit nur einmal vorbeifahren finden wir es. Auf der Speisekarte sehen wir, warum die Burger \u201eatomic\u201c hei\u00dfen. Die Stadt Arco, in der unser Campingplatz liegt, war 1955 die weltweit erste, die mit Atomstrom versorgt worden ist. Ob die Burger radioaktiv sind, wissen wir nicht und fragen auch lieber nicht nach.<\/p>\n<div id=\"attachment_1288\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7181.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1288\" class=\"size-medium wp-image-1288\" alt=\"Frittierte Gurkerl sind die Spezialit\u00e4t des Pickels Place\" src=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7181-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7181-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7181-449x300.jpg 449w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7181.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1288\" class=\"wp-caption-text\">Frittierte Gurkerl sind die Spezialit\u00e4t des Pickels Place<\/p><\/div>\n<p>Die Spezialit\u00e4t hier sind die frittierten Gurkerl. Wir bestellen uns nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Portion zur Vorspeise und alle au\u00dfer Tonittt einen Atomic Burger. Das ist ein normaler Burger mit Champignons und Zwiebel. Das ganze schmeckt recht gut. Hinter dem Lokal ist ein hoher Berg, der mit gro\u00dfen Nummern \u201everziert\u201c worden ist.<\/p>\n<p>Die Highschool-Abschlussklasse von 1920 hat eine gro\u00dfe \u201e20\u201c auf den Berg gemei\u00dfelt, um ihren Abschluss zu feiern. In Europa w\u00e4ren sie daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis gekommen, in den USA haben sie damit eine Tradition begr\u00fcndet und jede Klasse hat seither ihr Abschlussjahr in den Berg geklopft. Entsprechend sieht das ganze auch aus.<\/p>\n<div id=\"attachment_1289\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7187.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1289\" class=\"size-medium wp-image-1289\" alt=\"Keine Graffiti-Chaoten, sondern eine Tradition aus den 20er Jahren: Den Berg verschandeln\" src=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7187-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7187-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7187-449x300.jpg 449w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7187.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1289\" class=\"wp-caption-text\">Keine Graffiti-Chaoten, sondern eine Tradition aus den 20er Jahren: Den Berg verschandeln<\/p><\/div>\n<p>Ges\u00e4ttigt treten dann wir die R\u00fcckfahrt an. Am Campingplatz steht gerade die Besitzerin vor der Laundry und verkauft Eis. Eine gro\u00dfe Eiskugel mit Schokosauce und bunten Str\u00e4u\u00dfeln um 1 $ ist ein gutes Gesch\u00e4ft f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Am Abend nutzen wir die Internetverbindung aus. Mura schaut dabei nach, was es \u00fcber Arco so wissenswertes gibt. Dabei findet er heraus, dass es nicht nur die erste Stadt war, die mit Atomstrom versorgt worden ist, sondern dass hier in der N\u00e4he auch die weltweit erste nukleare Katastrophe stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Es war eine experimenteller schneller Br\u00fcter, der in den 60er-Jahren kurz mal in die Luft geflogen ist. Die Verstrahlung wurde als nicht so schlimm eingestuft, weil eh nur ein beschr\u00e4nktes, d\u00fcnn besiedeltes Gebiet in Idaho kontaminiert worden ist. N\u00e4mlich so ziemlich genau jenes, wo wir gerade sind. Wir werden alle sterben&#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_1287\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7173.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1287\" class=\"size-medium wp-image-1287\" alt=\"Strahlenschutz-Bunker aus den 60er Jahren?\" src=\"http:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7173-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7173-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7173-449x300.jpg 449w, https:\/\/blog.icb.at\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/DSC_7173.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1287\" class=\"wp-caption-text\">Strahlenschutz-Bunker aus den 60er Jahren?<\/p><\/div>\n<p>Jetzt wissen wir auch, warum Arco mit 995 Einwohnern die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Stadt im ganzen County ist. Ach ja&#8230; ein paar Jahre nach der Explosion des schnellen Br\u00fcters ist auch noch ein wenig radioaktives Plutonium ausgetreten, weil jemand versehentlich einen Beh\u00e4lter ge\u00f6ffnet hat&#8230; Wenn uns morgen fr\u00fch alle Haare ausgefallen sind, wissen wir wenigstens warum.<\/p>\n<p>In der Hoffnung auf einen strahlenden Tag morgen gehen wir um ca. 0000 schlafen. Momentaner Standort: <a href=\"https:\/\/maps.google.com\/maps?q=N+44\u00b033.873',+W+110\u00b022.062'&amp;hl=de&amp;ie=UTF8&amp;ll=43.627005,-113.295393&amp;spn=0.003953,0.010568&amp;sll=46.441642,-121.206665&amp;sspn=1.926661,5.410767&amp;t=h&amp;z=17\">43.627005,-113.295393<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guten Morgen, Sonnenschein. Der Sonnenschein kann aber nicht \u00fcber die Temperaturen hinwegt\u00e4uschen, die hier in Yellowstone im Juni nachts herrschen. 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