In der Früh begrüßt uns gleich Regenwetter. Das haben wir eigentlich nicht bestellt. Der Blick ins Internet sagt aber, dass es ab Mittag aufhören wird. Also wird erst einmal gemütlich gefrühstückt. Heute gibt es als Spezialität Räucherlachs auf die Toasts, die Freddy VIII. immer noch brav toastet aber nicht von selber auswirft.
Die Abfahrt wird erst Mal auf 0930 festgelegt. Denn für diese Uhrzeit sind nur 20 % Regenwahrscheinlichkeit angekündigt. Um 0930 stellen wir fest, dass 20 % doch mehr sind als 0 %. Also wird die Abfahrt auf 1000 verschoben. Denn für diese Uhrzeit sind nur mehr 15 % Regenwahrscheinlichkeit angekündigt. Um 1000 müssen wir dann feststellen, dass auch 10 % mehr sind als 0. Es regnet sogar noch stärker. Also wird die Abfahrt auf 1100 verschoben.

Um 1100 regnet es noch stärker als um 1000. Also wird erst einmal eine Pool-Session eingelegt. Wenn man schon nass wird, dann gleich ganz. Der Hotpool ist zwar überdacht, aber nicht ganz wasserdicht. Aber es lässt sich dort trotz gelegentlicher kalter Tropfen auf den Kopf aushalten. Die maximal empfohlene Verweildauer im Hotpool wird dadurch angezeigt, dass die Blubberblasen aufhören zu blubbern.
Das passiert schneller als man glaubt. Ihr habt ja alle keine Ahnung, was wir hier mitmachen! Also heißt es, sich in den überdachten Bereich beim Pool setzten und den Regentropfen beim Fallen zuschauen. Zum Glück gibt es ja auch beim Pool WLAN und Strom. Die Wetterlage bleibt weiterhin stabil. Die 10-minütigen Regengüsse von Hawai’i, auf die dann strahlender Sonnenschein folgt, gibt es hier offenbar nicht. Ein ausgedehntes Azoren-Tief.

Mura hat noch ein zusätzliches Problem. Um ein Mittagsschläfchen zu machen, müsste er ins Haus hinunter gehen. Bis er dort ist, wäre er aber waschelnass. Also muss das ausfallen. Während dem Rätseln über eine mögliche Lösung dieses Problems, passiert plötzlich etwas außergewöhnliches. Die Wolken verziehen sich und es fällt grelles Licht von oben herab.
Eine schnelle Internet-Recherche ergibt, dass es sich um Sonnenlicht handelt. Zwar zeigt die Webcam am heutigen Wanderziel immer noch Nebel, aber der kann nicht mehr lange da sein. Also wird losgefahren. Mura hütet inzwischen das Haus. Die Fahrt geht aus dem Osten der Insel ganz in den Westen. Diesmal geht es nicht über die Pflastersteinstraße. Das ist insofern bemerkenswert, als es am Anfang so ziemlich die gleiche Strecke ist wie am Ankunftstag.

Zwischendurch fängt es immer wieder mal zu regnen an und hört wieder auf. Aber beim ersten Viewpoint (Miradouro) ist wieder alles ok. Zwar kein Sonnenschein, aber gute Fernsicht. Also wird der Wanderweg angepeilt. Am Beginn des Weges ist alles im Nebel. Aber noch sind wir nicht am Aussichtspunkt.
Es kommen uns auch Wanderer entgegen. Sie sagen uns, dass sie nur Nebel gesehen haben. Das reduziert etwas die Wahrscheinlichkeit, dass wir traumhafte Fernsicht haben werden. Der Marsch dauert nur etwa 10 Minuten. Dann sind wir beim Aussichtspunkt. Wir sehen nur Nebel. Außer uns ist noch ein Chinese da. Er wartet hier darauf, dass etwas zu sehen ist.

Wie lange er schon da ist? Etwa zwei Stunden. Aber er bleibt da, bis er etwas sieht. Dann kommen noch zwei Deutsche vorbei. Sie sind auch nicht erfreut über die Aussicht. Schließlich kommen noch drei Mädels aus Portugal und den Niederlanden. Sie erklären uns, von welchen Aussichtspunkten in dieser Gegend wir am besten etwas sehen würden, wenn wir etwas sehen würden.
Dann hauen sie wieder ab und wir auch. Gleich am Beginn des Wanderweges kann man wenigstens zu einem kleinen See gehen. Dort reicht die Sicht bis ans andere Ufer. Als nächstes Ziel wird die naheliegende Westküste eingegeben. Auf der Brücke zwischen grünem und blauem See, wird Fotostopp gemacht. Denn hier herunten ist kein Nebel. Also werden alle Fotos, die oben geplant waren, hier gemacht. Es kommen auch ein Haufen Buggys vorbei. Die machen Lärm und stinken. Schrecklich diese Ungustln, die mit so was herumfahren. Dann geht es weiter zur Küste.

Um dort anzukommen, muss man die letzten paar hundert Meter über Serpentinen mit Madeira-Gefälle runter fahren. Besonders spaßig, wenn einem genau in der Kurve ein Auto entgegen kommt. Unten gibt es einen großen Parkplatz und man kann die Umgebung zu Fuß erkunden. Es sind Steilwände aus schwarzem Vulkangestein dort, an die Wellen donnern.
Das ist der Vorteil eines windigen Tages. Die Wellen sind spektakulärer. Es gibt auch einen Platz, wo man im Meer baden kann. Während der Flut soll sich dort warmes Wasser sammeln. Es ist aber offensichtlich nicht Flut und so versuchen nur zwei Unerschrockene das Bad. Die Leute haben sich inzwischen zum Sonnenuntergang versammelt. Der versteckt sich aber hinter Wolken.

Also wird der Rückzug angetreten. Zuerst geht es die Serpentinen nach oben. Vor uns fährt ein BMW M3. Der hat ca. 500 PS. Der kann vermutlich im 3. Gang da rauf fahren und ohne zu schalten auf die Autobahn fahren. Wir mühen uns im 1. Gang nach oben. Der BMW hat anscheinend das gleiche Ziel wie wir, denn er fährt so, wie unser Navi es anzeigt.
Wie immer geht es über kurvige Straßen. Irgendwann kommt dann die Autobahn. Da ist es dann Zeit, endlich den nervigen 500 PS-BMW zu überholen. Wir haben schließlich einen Nissan Qashqai, da hat der BMW keine Chance. Auf der Autobahn beginnt es wieder zu regnen. Hat ja schon lange nicht. Und weil es so schön ist, werden wir wieder über das Kopfsteinpflaster gelotst.

Das ist bei Regen besonders interessant, weil dann rechts und links tiefe Pfützen vorhanden sind. Schließlich ist dann doch Ankunft beim Haus. Gegessen hat seit der Früh niemand, also wird wieder auf den Hauptplatz gegangen. Diesmal ist die Snackbar Ogaroto ausgewählt. Sie hat im Internet gute Bewertungen bekommen. Also wir hinkommen, stellen wir fest, dass dort offenbar Sonntagsruhe ist.

Am Tag des Herrn sollst du ruhen, deshalb ist auch die Pizzeria daneben zu. Aber es gibt ja genug Auswahl. Im Picnic, wo wir schon mal Sandwiches zu Mittag gegessen haben, haben wir noch nie Abend gegessen. Dort ist sogar offen. Wir bestellen jeder eine große Pizza. Es gibt nur klein oder groß, nichts dazwischen.

Der Kellner meint, wir sollen uns auf den großen Tisch daneben setzen, denn auf unserem ist kein Platz für alle 3 Pizzen. Dann bekommt jeder ein Wagenrad in etwa so groß wie damals in San Diego. Und so wie damals müssen wir einen Teil davon mit nach Hause nehmen. Wenn es noch irgend eines Beweises bedurfte, dass Geschichte sich wiederholt, dann ist dieser jetzt erbracht.

Dann wird nach Hause gegangen, denn morgen heißt es früh aufstehen. Ja, noch früher als sonst!