Mura steht heute schon als erster um 0500 auf. Die beiden anderen folgen um 0530 und 0600. Denn heute heißt es pünktlich bei der Abfahrt zum Whale Watching sein. Das ist nämlich auf heute verschoben worden. Da man rund eine Stunde nach Ponta Delgada fährt, muss rechtzeitig abgefahren werden. Das langwierige Frühstück machen entfällt zum Glück, denn es ist noch mehr als eine ganze Pizza von gestern übrig. Die wird schnell verputzt und los geht es.
Obwohl Povoacao und Ponta Delgada beide an der Südküste liegen, ist die Fahrtzeit genau so lang, wenn man zuerst an die Nordküste fährt und dann wieder zurück nach Süden. Wegen den dort gut ausgebauten Straßen. So kann auch ein Traktor gemütlich auf einer zweispurigen Strecke überholt werden. Pünktlich kommen wir in Ponta Delgada an.

Gleich beim Hafen gibt es auch ein Parkhaus. Mit vielen freien Plätzen gleich am Anfang. Nein, wir haben uns nicht auf Behinderten/Frauen/Mütter-Parkplätze gestellt! Die waren einfach so alle frei. Zum Hafen sind es nur ein paar Schritte. Wir melden uns beim Checkin mit unserer Reservierung und bekommen jeder ein gelbes Kärtchen.
An der Anlgegestelle steht ein mittelgroßes Schiff mit dem Namen unseres Veranstalters darauf. Daneben steht ein kleines Speedboat mit ca. 20 Sitzplätzen. Mura macht den dummen Scherz, dass wir sicher mit dem Speedboat fahren und nass werden werden. Aber das Schiff wird schon vorbereitet und es wird wohl doch ein gemütlicher Vormittag werden.

Nach ein paar Minuten warten werden dann alle mit einem gelben Kärtchen eingesammelt. Die mit den weißen Kärtchen sollen noch nicht mitkommen. Seltsam, dass nach Farbe sortiert wird. Dann kommen die Instruktionen. Man kann sich zwischen Portugiesisch und Englisch entscheiden. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für Englisch. Es wird erklärt, welche Viecher es möglicherweise zu sehen gibt.
Dann muss noch jeder unterschreiben, dass er für seinen Tod selbst verantwortlich ist. Außerdem die E-Mail-Adresse hinschreiben, um daheim dann Spam zu bekommen. Dann kommen noch Sicherheitshinweise, z. B. dass wir auf dem Speedboat nur dann aufstehen sollen, wenn der Guide es sagt. Und er zeigt die Rettungsweste, die sich automatisch aufbläst, wenn man ins Wasser fällt.

Falls das nicht funktioniert, kann man die Weste mit einem Zug an einer Schnur händisch aufblasen. Wenn das auch nicht funktioniert, kann man sie mit einem Mundstück aufblasen. Wenn das auch nicht funktioniert, dann haben sie eh unsere Unterschrift, dass wir selbst schuld sind. Draußen gibt es noch wasserdichtes Schutzgewand. Eine dicke Jacke und wer will, auch noch eine Hose.
Tami entscheidet sich auch für die Hose. Mura und ICBeter meinen, das wird man schon nicht brauchen, denn die anderen nehmen auch fast alle keine Hose. Und wenn sie ein bisserl nass gespritzt wird, wird sie bei der danach geplanten Besichtigung von Ponta Delgada schnell wieder trocknen. Wir setzen uns im Boot nicht ganz vorne hin, denn dort ist es sicher am nassesten.

Mura zur Sicherheit ganz nach hinten, die anderen am rechten Rand ganz in der Mitte. Los geht die Fahrt. Es wird ca. 45 Minuten dauern, bis wir an dem Ort sind, wo die Wale heute sind. Diese werden von der Insel aus erspäht und den Booten mitgeteilt. Diese Wal-Späher gibt schon seit alten Walfangzeiten. Heute jagen nur mehr die Touristen die Wale.
Das ist im Prinzip ein Abenteuerspiel für Touristen. Sie werden aufs Meer hinaus gefahren, dort ist ihre Aufgabe, auftauchende Wale mit ihren Kameras abzuschießen. Wie bei einem Ego-Shooter. Oder wie bei Moorhuhn. Die entstehenden Fotos sind zwar zum Großteil unbrauchbar, aber es geht ja nur um den Jagdtrieb.

Der Wind kommt von Rechts. Das ist insofern bedauerlich, als ICBeter und Tami rechts sitzen. ICBeters rechte Hosenseite ist im Nu zu 100 % gesättigt. Bei Tami ist es nur der rechte Schuh. Dann bleibt das Boot stehen. Eine Gruppe Delphine ist da und schwimmt durch die Gegend. Die Touristen können da schon mal probeschießen. Dann geht es mit Highspeed weiter. Das ist egal, denn die Hose kann eh kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen.
Irgendwann sehen wir dann in der Ferne etwas großes auf dem Wasser schwimmen und fahren darauf zu. Es sind Boote mit Touristen. Auch das Schiff von unserem Veranstalter aus dem Hafen ist mit dabei. Wahrscheinlich die mit den weißen Kärtchen. Sie stehen gemütlich an der Reeling ohne Rettungsweste oder wasserdichter Kleidung.
Wir gesellen uns zu der illustren Runde dazu. Hier in der Gegend sind Pottwale. Ab sie tauchen bis zu 50 Minuten unter Wasser bevor sie wieder an die Oberfläche kommen. Das Wasser ist hier rund 1000 m tief. Sie schwimmen bis ganz nach unten und kommen dann wieder hoch. Also heißt es Geduld haben. Man kann jetzt auch aufstehen. Nach fast einer Stunde sitzen und durchgebeutelt werden ist das ein Segen.

Irgendwann taucht dann ein Pottwalkalb auf. Aber nur für ein paar Sekunden. Zum Abschießen zu kurz. Aber immerhin gesehen haben wir es. Kurz darauf heißt es wieder hinsetzen. Alle Boote fahren mit Volldampf in eine Richtung. Dort taucht an ein erwachsener Pottwal auf. Der schwimmt auch lange genug, um mit allen Kameras abgeschossen zu werden.
Gut, man sieht nur einen Teil des Rückens und man käme nicht von selber drauf, dass es ein Pottwal ist. Aber es geht ja schließlich ums Prinzip. Nämlich um jenes, dass alle zu Hause damit angeben können, dass sie einen riesigen Wal gesehen haben. Dafür nimmt man schon alle Widrigkeiten wie Bandscheibenschäden und vollständige Durchnässung in Kauf.
Nachdem der Wal weg ist, ist auch die Mission erfüllt und es kann sofort zurück gehen. Es wird umgedreht und die Strecke wieder zurück gefahren. Das bedeutet natürlich, dass der Wind diesmal von links kommt. Das ist sehr gut für Tami und ICBeter, die rechts sitzen. Das ist sehr schlecht für Mura, der ganz hinten links sitzt.

Es stellt sich nämlich auch die Theorie als falsch heraus, dass die vorne das meiste Wasser abbekommen. Die Spitze ragt beim Fahren so weit nach oben, dass dort gar keines hin kommt. Dafür umso mehr hinten. Und um so weiter hinten, desto mehr. Mura hätte die wasserdichte Jacke nicht benötigt. Denn mit jeder Welle prasseln ca. 20 Liter Wasser auf ihn herein. Und Wellen gibt es heute viele.
Auch merken wir auf der Rückfahrt, dass es einen feinen Unterschied macht, ob man mit den Wellen fährt oder gegen sie. Dass am Anfang gefragt wurde, ob jemand Rückenprobleme hat, war keine reine Formalität. Die Bandscheiben jubeln bei jeder großen Welle. Falls wir es noch nicht erwähnt haben: Davon gibt es heute viele.
Es wird noch ein fliegender Fisch gesehen, aber natürlich nicht fotografiert, weil die Kameras sicherheitshalber unter der wasserdichten Jacke sind. Mura hat zu diesem Zeitpunkt keine trockene Faser mehr an. Schließlich kommen wir wieder im Hafen an. Weil alle nasse Schuhe, zwei nasse Hosen und einer nasses Alles hat, wird der nächste Tagesordnungspunkt – Ponta Delgada anschauen – fallen gelassen.
Jetzt heißt es ab ins Auto, eine Stunde lang heim fahren und dort raus aus den kalten Umschlägen. Dann in den Pool und den Hotpool. Aber halt, es gab noch nichts zum Mittagessen. Gleich neben dem Hafen entdeckt Mura einen Automaten, der Burger und solches Zeug verkauft. Zwar geht die Kreditkarte nicht, aber Bargeld frisst er. Der Automat, nicht der Mura.

Nach kurzer Wartezeit kommt tatsächlich ein Cheesburger raus. Michelin-Sterne gewinnt er aber keine. Danach wird schnell noch das Parkhaus bezahlt. Mit Kreditkarte geht es nicht, aber Bargeld funktioniert. Zuhause angekommen wird dann am Pool noch das Restaurant für den Abend reserviert. Es soll nämlich so ein in Fumarolen gekochtes Zeug gegessen werden. Das geht nur mit Reservierung.
Man muss zwar allerhand ausfüllen, aber man bekommt dann keinen QR-Code per E-Mail, mit dem man ins Restaurant rein kommt. Das ist ein großer Fortschritt. Kein großer Fortschritt ist, das die angekündigte Bestätigungs-Mail nicht kommt. Aber das dauert vielleicht nur. Eine halbe Stunde vor der reservierten Uhrzeit ist immer noch nichts da.
Wir schmieden also einen ausgefeilten Plan: Falls die E-Mail noch kommt, fahren wir zu dem Lokal und essen dort. Fall sie nicht kommt, fahren wir auch hin und hoffen, dass ein Platz frei ist. Als wir in Furnas ankommen, ist nocht keine Mail angekommen. Somit tritt Plan B in Kraft, dass wir einfach hingehen. Es sind fast alle Tische frei. Das ist ein gutes Zeichen. Wir bekommen auch gleich einen Tisch zugewiesen.

Das ist auch ein gutes Zeichen. Auf der Speisekarte ist auch das Zeug, das in den Fumarolen gekocht wird drauf. Das ist auch ein gutes Zeichen. Darüber steht, dass man dieses Zeug mindestens 24 Stunden im Voraus bestellen muss. Das ist jetzt ein schlechtes Zeichen. Wir fragen die Kellnerin, ob es das trotzdem gibt. Ja, gibt es. Das ist ein gutes Zeichen und wir bestellen drei Portionen.
Die meint, dass 2 Portionen reichen werden. Da wir lernfähig sind, sagen wir diesmal nicht, dass wir sehr hungrig sind und 3 Portionen haben wollen. Die Kellnerin hat nicht gelogen, eine Doppelportion ist tatsächlich ausreichend. Es gibt verschiedene Fleischsorten, Würste und Gemüsesorten. Die sind angeblich alle in der Erde vergraben und vom heißen Dampf gekocht worden.

Nach erfolgreichem Essen wird wieder heim gefahren. Weil das Benzin zur Neige geht, bleiben wir bei einer Tankstelle stehen. Zwei Portugiesinnen stehen dort beim Terminal und versuchen verzweifelt, mit ihrer Kreditkarte zu zahlen. Aber es funktioniert nicht. Sie lassen erst mal uns vor. Alles funktioniert. Wir sind halt Tank-Profis.
Dann probieren sie es noch einmal. Wir warten ab, ob es diesmal geht. Damit wir ihnen mit ein paar Litern Benzin aushelfen können, falls es nicht geht. Sonst wären sie vielleicht für immer an dieser Tankstelle gestrandet. Es geht! Also wird die Heimfahrt fortgesetzt. Daheim angekommen wird der Tag noch unter Ausnutzung der Internetverbindung abgeschlossen.