Unser letzer Tag auf Sao Miguel ist angebrochen. Wie schon 2022 wird nach ca. einer Woche die Insel gewechselt. Pico heißt die nächste Insel. Alle, denen wir erzählt haben, dass wir die zweite Woche auf Pico sind, haben uns gefragt, was wir denn eine ganze Woche lang auf Pico machen. Na mal sehen. Immerhin gibt es dort den Berg Pico.
Das Wetter für den heutigen Reisetag ist das beste seit langem. Die Webcams zeigen überall prächtige Fernsicht. Ein paar vereinzelte Wolken, aber sonst strahlender Sonnenschein. Falls der Chinese bei Poca do Inferno immer noch dort steht, kann er jetzt super Fotos machen. Für uns heißt es aber weiter ziehen.
Beim Frühstück wird noch soviel Wurst und Käse vertilgt wie möglich. Vom Vollkorntoast bleibt nur eine Scheibe übrig, der dicke Bimbo wird komplett aufgegessen. In der Nacht war wohl ein Stromausfall, denn die mühsam eingestellte Uhr am Mikrowellenherd ist schon wieder falsch. Das ist dann aber ein Problem unserer Nachfolger.

Als nächstes wird der Wäschetrockner angeworfen. Denn die Sachen vom Whale Watching sind noch nicht trocken. Die Luftfeuchtigkeit lässt grüßen. Das Einpacken ist weniger stressig als daheim, denn man muss einfach alles, was man von sich selber findet, in den Koffer hauen. Der Schnellgang beim Wäschetrockner erweist sich als effektiv. Die Sachen werden tatsächlich trocken. Ein großer Schritt in Richtung Weltherrschaft.
Um 1000 ist es dann soweit. Die Kirche nebenan spielt uns zum Abschied noch einmal eine schöne Melodie. Die hat ja wie schon gesagt verschiedene Klingeltöne. Was wir alles vergessen haben, werden wir heute Abend beim Auspacken feststellen. Bei blauem Himmel und lachender Sonne begeben wir uns auf die Fahrt. Die kennen wir zwar schon fast auswendig, wir benutzen aber trotzdem das Navi.
Nicht, weil wir es brauchen würden, aber wenn man es schon mal hat… Die Sixt-Rückgabe ist gut angeschrieben. Wir hätten sie natürlich auch sonst gefunden. Jetzt heißt es Abschied nehmen von unserem Quashqai. Der Mitarbeiter von Sixt sucht noch intensiv nach neuen Dellen uns Schrammen, aber er wird nicht fündig. Wieder umsonst Versicherung ohne Selbstbehalt bezahlt.

Die Sicherheitskontrolle ist schnell erledigt. Auch Vaca kommt problemlos durch. ICBeter verliert diesmal seinen Boardinpass nicht. Mura und Tami können diesmal nicht in die Lounge gehen. Erstens, weil sie Economy fliegen und zweitens, weil es sowas hier gar nicht gibt. ICBeter findet einen Relax-Room mit Liegesesseln. Also quasi eine Lounge ohne Essen.
5 Minuten vor Boarding-Beginn marschieren wir dann zum Gate. Vom ersten bis zum letzten Gate geht man hier ungefähr 30 Sekunden. Das ist etwas schneller als in Heathrow. Zur Sicherheit sind gleich Gate 6 und Gate 7 für unseren Flug geöffnet. Als alle im Gate drinnen sind, stehen alle rum und warten.
Über Lautsprecher wird ein Passagier ausgerufen. Nein, diesmal sind es nicht wir. Aber offenbar darf niemand zum Flugzeug gehen, bevor nicht alle da sind. Dann stellt sich aber heraus, dass der gesuchte Passagier längst da ist und es kann los gehen. Gehen ist dabei wörtlich gemein, denn es gibt keinen Bus, der uns zum Flieger führt. Wir müssen hin stapfen.

Die Stewardess sagt uns, dass wir beim Hintereingang einsteigen müssen. Wahrscheinlich sind wir nicht gut genug für den Vordereingang. Wir sind in einer Dash 8. Das Teil hat nur zwei Sitze auf jeder Seite. Also pro Reihe halt. Der Fensterplatz neben ICBeter bleibt lange leer. Die Hoffnung darauf erfüllt sich aber nicht. Letztlich kommt doch noch eine Frau und setzt sich einfach dort hin.
Getränke werden keine ausgeteilt, denn kurz nach dem Ende des Steigflugs geht die Kiste in den Sinkflug. Es hat sich gerade mal so ausgezahlt, das Fahrwerk einzufahren. Der Flug endet ohne nennenswerte Ereignisse. Gut, vielleicht dass ICBeter zum Flugzeug zurück gehen muss, weil dort noch sein Pass drinnen ist. Aber das sind Kleinigkeiten.
Im Terminal wird erst mal ein Platz beim Buffet gesucht. Denn das war ja noch nicht der ganze Flug, es geht ja noch weiter. So, wie man beim Flug nach Adelaide z. B. in Singapur zwischenlanden muss, muss man auf dem Flug von Ponta Delgada nach Pico auf Terceira landen. Mura überbrückt die Wartezeit mit einen kleinen Snack.

Dann geht es wieder mal durch die Security. Zum Flieger geht es wieder zu Fuß. Wieder müssen wir den Hintereingang benutzen. Dafür hat jeder von uns einen Fensterplatz mit einem leeren Sitz daneben. Also quasi Businessclass. Die Crew ist die gleiche wie beim ersten Flug. Teilweise auch die Fluggäste. Auch der Flug vergeht wie im Flug.
Und schon landen wir auf Pico. Die Koffer kommen auch alle an. Bei der Autovermeitung erfahren wir, dass wir das Auto nicht am Flughafen, sondern am Hafen gemietet haben. Ist ja fast das gleiche! Aber es macht nichts, es sind genug Autos da. Wir bekommen einen Dacia. Der hat immerhin einen größeren Kofferraum.
Unser Quartier ist in Candelaria. Falls das irgendjemand nicht kennt, kann er es auf Google Maps suchen. Das letzte Stück zum Haus geht über eine Madeira-steile Straße. Sobald das steile Stück vorbei ist, kommt eine Dirtroad. Zum Glück sind wir nicht mit dem Wohnmobil hier. Das Haus steht einsam mitten am Berg. Das merkt man auch gleich beim Aussteigen, da es gut 5 Grad weniger hat, als in Povoacao.

Ana wartet schon auf uns. Sie ist die Betreuerin des Hauses und hat ein Restaurant im Ort. Sie sagt uns, dass es Freitag, Samstag und Sonntag voraussichtlich gutes Wetter geben wird. Und auch am Donnerstag, wenn wir wieder abfahren. Und am Samstag kommt das Mädchen und macht sauber. Wer immer das Mädchen auch sein mag.
Das Haus hat ein Wohnzimmer, das so lang ist wie eine Kegelbahn. Darin integriert ist eine Kochecke. Vor dem Haus ist ein lange Pool. Aber kein Hotpool. Und es hat einen eigenen Minigolf-Platz. Wer braucht einen Hotpool oder gutes Wetter, wenn er einen Minigolf-Platz hat? Als nächstes steht aber nicht Minigolf an, sondern Abendessen.
In der nächsten Ortschaft wird ein Lokal gefunden. Dort ist noch ein Tisch frei. Wir sind offenbar die einzigen Touristen hier. Sonst ist alles voller Einheimischer. Und es gibt wie in scheinbar allen portugiesischen Lokalen einen Fernseher, auf dem Fußball läuft. Heute Bayern – Benfica Lissabon. Das Essen dauert genau eine Halbzeit lang. Da steht es 0:0.

Zum Schluss sagt Mura „The bill please“ und bekommt ein Bier serviert. Das hätte er aber durchaus schnell trinken können. Denn im Gegensatz zu Sao Miguel, wo ein mittleres Bier ein Seidl ist, ist es hier nur 0,2 Liter. Pico ist offenbar das Köln der Azoren. Oder es kommt von „Picolo“. Schließlich kommt dann doch die Rechnung.
Im Auto programmiert Mura dann den Continente-Supermarkt ins Navi. Nachdem diese Programmierung erfolgt ist, fahren wir zweimal um die Ecke und stehen vor dem Supermarkt. Mit Navi geht eben alles schneller! In bewährter Manier werden alle Regalreihen abgelaufen und alles wichtige gekauft.
Nur kein Toastbrot, denn das ist in der Küche schon vorhanden. Ebenso wie ein Jahresvorrat Obst. Also so eine Schüssel voll halt. Dann geht es zurück auf unseren Berg. Mura testet die Dusche und stellt fest, dass das Wasser langsamer abläuft als nachrinnt. Das fürht zu Überschwemmungen, wenn man nicht Duschpausen einlegt. Die EDV-Infrastruktur wird aufgebaut und dann wird bis um Ende des Tages noch de Internet-Qualität getestet.