Dia 9 – Lago do Capitan

Die Nacht war kühl und die Klimaanlage heizt nicht. Heizung gibt es hier sowieso keine. Um 0700 sind aber alle auf. Weil es keinen Hotpool gibt, wird auf das Morgen-Schwimmen verzichtet. Also wird gleich mit dem Frühstück begonnen. Der Toaster ist baugleich mit dem in Povoacao. Wir geben ihm den Namen Freddy. Der ist damit Freddy IX.

Er wirft die Toasts zwar aus, aber auch nicht bis ganz nach oben. Auch ihm muss man ein wenig nachhelfen. Die geschenkten Toasts sind deutlich kleiner als die normalen. Etwa 75 % davon. D. h. man muss 4 davon essen, um 3 Toasts gegessen zu haben. Heute gibt es zusätzlich zur üblichen Wurst Thunfisch-Pastete.

Lago do capitan

Heute ist schlechtes Wetter angekündigt, aber draußen ist es nur mäßig bewölkt. Das kann nur bedeuten, dass die Vorhersage falsch war. Also geht es ab zur ersten Wanderung. Diesmal gehen Tami und ICBeter mit. Mura muss warten, bis die Betreuerin kommt, um die Probleme mit Heizung und Abfluss zu lösen.

Das Navi ist schnell programmiert. Erste Erkenntnis des Tages: Das Navi sucht nicht den schnellsten, sondern den kürzesten Weg. Und wenn der über kaputte Feldwege geht, auf denen man nur 30 fahren kann. So wird eine halbe Stunde damit verbracht, denn allergrößten Schlaglöchern auszuweichen. Nach jedem 20. Schlagloch geht der Restkilometerzähler am Navi um 1 km nach unten.

Die Wolken sehen harmlos aus

Dann kommt eine Abzweigung und das Navi meint, bitte noch weiter nach oben Richtung Pico – dem großen Vulkan. Da wird angehalten und auf Tamis offline Navi geschaut, ob nicht doch eine richtige Straße in der Nähe ist. Tatsächlich ist eine ganz in der Nähe. Nur ca. 30 Schlaglöcher weiter ist so eine richtige Straße für Autos. Ab da geht es jetzt flott. In wenigen Minuten sind wir am Ziel.

Es ist der Lago Capitano. Ein kleiner See. Eigentlich eher ein Teich. Aber auf Pico, wo es keine großen Seen gibt, gilt das als See. Er wird von Enten und Kühen bewohnt. Letztere sind aber am Ufer. Pünktlich als die Wanderschuhe angezogen sind, fängt es zu tröpfeln an. Aber es sind noch zwei andere Wanderer da, die trotzdem losgehen. Es wäre jetzt schon eine Niederlage, wenn wir aufgeben würden.

Sao Roque

Also wird losmarschiert. Es wechseln sich Sonnenschein und Nieselregen ab. Nach einer Weile kommt eine Abzweigung zu einem Miradouro. Sie ist schlecht angeschrieben, aber Tami entdeckt sie am Offline-Navi. Man sieht von dort runter zum Ufer und weiter bis zur nächsten Insel. Es handelt sich dabei vielleicht um das wieder aufgetauchte Atlantis. Spätere Recherchen haben aber ergeben, dass es Sao Jorge ist. Die ist nur 20 km Luftlinie entfernt.

Teilweise schaut jetzt sogar die Sonne durch. Im Westen ist eine Regenfront zu sehen. Tami meint, die wird zu uns herkommen. ICBeter sieht aber mit geschultem Auge, dass die Wolken von Süden nach Norden ziehen. Die Front wird also an uns vorbei ziehen. Als alter Pfadfinder erkennt man das sofort.

Regenbogenparade auf den Azoren

Es werden noch viele Fotos von den Küstenorten und der anderen Insel gemacht. Zur Garnierung gibt es noch einen Regenbogen. Der geht zwar nicht 180° durch, aber man ist zufrieden. Dann wird der Rückzug angetreten, denn die Regenfront ist jetzt da und es regnet. Kein Nieselregen, sondern Regen. Egal, die Fotos sind schon alle im Kasten.

Kurz vor Ende des Weges ist aber wieder die Sonne da. Also kann die Rückfahrt bei schönem Wetter angetreten werden. Das Navi wird nicht eingeschaltet, denn wir wissen, wohin das führt. Die Anzahl der Straßen auf Pico ist ohnehin recht beschränkt. Hier die falsche zu nehmen, ist eh schwierig. Unterwegs wird eine Gruppe von rund 40 Kühen getroffen, die über die Straße getrieben werden. So kommen wir zielsicher nach Madalena. Das ist dort, wo der Continente ist. Auch den werden wir ohne Navi finden.

Vaca ist wieder zurück beim See

Also wir in der zweiten Ortschaft nach Madalena sind, kommen darüber erste Zweifel auf und es wird umgedreht. Am Umdrehplatz ist eine Kirche, die noch schnell angeschaut wird. Wieder in Madalena folgen wir diesmal dem Schild, auf dem „Continente“ steht. So wie das unsere Urahnen gemacht haben, als es noch kein Navi gab. Die haben sich auf ihren Urin-
stinkt verlassen und sind nach Schildern und Karten gefahren.

So wird der Supermarkt sofort gefunden. Gleich daneben ist ein Elektronik-Geschäft. Tami braucht verschiedene Adapter und so Zeug. Er bekommt sogar alles. Dann werden noch Lebensmittel gekauft, die gestern vergessen wurden. Bevor die Heimfahrt angetreten wird, wird noch zu einem knallroten Gebäudekomplex gegangen, der gleich in der Nähe ist.

An der Küste geht es rund

Es ist ein Hotel. In 50 m Entfernung ist die Küste. Unsere Blog-Leser wissen seit der letzten USA-Reise: Das ist wie Wüste, nur kalt. Der starke Wind sorgt für ordentlich Wellengang. Das sorgt für schöne Wasserfontänen am Vulkangestein am Ufer. So wird das Ufer ein paar hundert Meter weit abgelaufen. Da erst am Rückweg wieder die Sonne scheint, müssen auf diesem alle Fotos noch einmal gemacht werden. Aber was tut man nicht alles für die Weltherrschaft.

Dann wird heim gefahren. Das Schlagloch hinter dem Continente, dem Mura gestern zweimal mit einem schnellen Ausweichmanöver entkommen ist, ist zugeschüttet worden. Es ist doch gut, dass wir ständig abgehört werden. So wissen die Behörden immer bescheid, wenn wir uns über etwas beschweren. Da wir das Vertrauen ins Navi verloren haben, wird auch der Rest der Heimfahrt ohne absolviert.

Mura hat inzwischen erfolglos auf die Betreuerin gewartet. Aber sie kommt angeblich noch. ICBeter nutzt die Zeit, um den Minigolf-Platz zu testen. Es sind 6 Bahnen, von denen aber 3 schon kaputt sind. Also ein Miniminigolfplatz. Es ist übrigens bemerkenswert, dass Libre Office „Miniminigolfplatz“ als korrektes Wort erkennt. Da soll einer noch sagen, künstliche Intelligenz funktioniert nicht.

Der Wind schlägt hohe Wellen

Am späten Nachmittag kommt die Betreuerin doch daher und repariert den Duschabfluss. Das ist ein großer Schritt in Richtung Weltherrschaft! Außerdem bringt sie zusätzliche Handtücher mit. Und einen mobilen Heizkörper. Dann wird es Zeit, das Internet auszunutzen. Zuerst wird geschaut, ob Trump tatsächlich die Wahl gewonnen hat, oder ob das nur ein lustiger Scherz der Medien gewesen ist.

Dann wird auf der Terrasse noch Blog geschrieben. Es geht zwar ein kalter Wind, aber die Terrasse wird mit bezahlt, daher muss sie auch ausgenutzt werden. So verrinnt die Zeit, bis das Abendessen ansteht. Kurz vor dem Weggehen sieht Tami, dass sich vor der Eingangstüre eine Wasserlacke gebildet hat. Ein kurze Umfrage ergibt, das niemand dort hin gemacht hat.

Bei genauerer Untersuchung der Sachlage kommt zu tage, dass das Wasser unter der verschlossenen Türe gegenüber dem Eingang kommt. Nachschauen warum geht nicht. Weil die Tür halt verschlossen ist. Also wird der Betreuerin wieder ein Whatsapp geschrieben. Die wird noch drei Monate Albträume von uns haben.

Dann geht es los. Die Betreuerin besitzt ein eigenes Restaurant. Dort fahren wir heute hin. Wenn wir ihr schon den letzten Nerv rauben, wollen wir wenigstens in ihrem Restaurant essen. Wir benutzen das Navi doch wieder. Es führt uns auch zielsicher zum Ziel. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass alle Tische belegt sind.

Jetzt ist guter Rat teuer. Und das, obwohl in Portugal alles ziemlich billig ist. Also wird die Gegend nach Alternativen abgesucht. Gleich gegenüber ist ein Bio-Lokal. Es sitzt aber fast niemand drinnen. Das ist verdächtig, also gehen wir weiter. Es wird eine Pizzeria gefunden. Die hat aber keine Sitzplätze, sondern man kann nur abholen.

Also wird wieder zurück marschiert und gewartet, bis im Lokal ein Tisch frei wird. Mura telefoniert inzwischen wegen der Überschwemmung im Haus. Der Hausbesitzer wird persönlich vorbei schauen und sich der Sache annehmen. Dann wird ein Tisch frei. Zwar nur draußen, aber besser als gar nichts. Ok, es ist kühl und windig, aber was tut man nicht alles für die Weltherrschaft. Und man ist nicht ganz im Freien, sondern in einem halboffenen Zelt.

  • Heimische Fauna

Weil das mittlere Bier gestern nur 0,2 Liter waren, bestellt ICBeter heute ein großes. Es sind 0,5 Liter. Scheinbar gibt es dazwischen nichts. Der Wind wird dann stärker und Regen setzt auch ein. Aber man wird nur ein bisschen nass. Es wird aber alles brav aufgegessen, damit schönes Wetter bleibt. Ab geht es nach Hause.

Dort ist die Überschwemmung behoben worden. Wieder ein Krise überstanden. Tami drückt dann im Badezimmer auf den Seifenspender und er bricht ab. Wenn wir das Haus nächste Woche verlassen werden, wird es abbruchreif sein. Bevor noch mehr kaputt geht, wird der Tag schnell für beendet erklärt.

One thought on “Dia 9 – Lago do Capitan

  1. Mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass Azoren-Urlauber bestimmte Eigenschaften mitbringen sollten:
    1. Eingebaute Heizung
    2. Handwerkliche Begabung und womöglich mitgebrachtes Werkzeug (Pümpel für die Abflüsse, Brecheisen für verschlossene Türen.)
    3. Vorliebe für kalte Umschläge
    4. Die Fähigkeit, ohne Navi ans Ziel zu kommen (Pfadfinder!)
    5. sollten sie es aushalten, wenn sie zuhause jeder fragt: Wos, du woast 4 Wochn auf Urlaub? Du bist jo gor net braun!
    Trotzdem weiterhin viel Spaß!

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